Gedenkfeier in Unna-Massen erinnert an Opfer von Flucht und Vertreibung

UdVA und Bund der Vertriebenen setzen Zeichen für Erinnerung, Versöhnung und ein friedliches Europa

Die Union der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten (UdVA) der CDU im Kreis Unna und der Kreisverband Unna des Bundes der Vertriebenen (BdV) haben am Samstag, 12. September 2026, mit einer gemeinsamen Gedenkfeier der Opfer von Flucht und Vertreibung gedacht. Ort der Veranstaltung war der Gedenkstein auf dem Gelände der ehemaligen Landesstelle Unna-Massen.

Der Ort hat eine besondere historische Bedeutung: Ab 1951 war die Landesstelle die erste Anlaufstelle für Vertriebene, Flüchtlinge und Aussiedler in Nordrhein-Westfalen. Mehr als 2,5 Millionen Menschen kamen im Laufe der Jahrzehnte hier an und begannen von Unna-Massen aus ein neues Leben.

„Kaum ein Ort in Nordrhein-Westfalen steht so sehr für Flucht, Ankommen und Neubeginn“, sagte Stephan Wehmeier, Kreisvorsitzender der UdVA im Kreis Unna, bei der Begrüßung. Nachdem die Gedenkfeier viele Jahre am Kreuz der ostdeutschen Heimat in Kamen begangen worden war, fand sie in diesem Jahr in Unna-Massen statt.

Gemeinsam mit der BdV-Kreisvorsitzenden Dr. Bärbel Beutner begrüßte Wehmeier unter anderem Vera Volkmann, Mitglied des Kreistages Unna und CDU-Landtagskandidatin, sowie Prof. Jürgen Vollradt, den Vorsitzenden des Vereins zur Errichtung der Vertreibungserinnerungsstätte Unna-Massen.

In ihrem Grußwort erinnerte Volkmann daran, dass hinter den großen Zahlen ganz persönliche Lebensgeschichten stehen. Unna-Massen erzähle von Flucht und Vertreibung, aber ebenso vom Ankommen und von Integration. Viele der hier aufgenommenen Menschen hätten sich unter schwierigen Bedingungen ein neues Leben aufgebaut, Familien gegründet und Vereine, Gemeinden und die Gesellschaft mitgeprägt.

Zugleich verwies Volkmann auf die historische Verantwortung Deutschlands: Der von Deutschland begonnene Zweite Weltkrieg und die Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft hätten unermessliches Leid über Europa gebracht. Zur gemeinsamen Geschichte gehöre aber auch das Schicksal der Menschen, die ihre Heimat verloren, vertrieben, verschleppt oder entrechtet wurden.

Beutner stellte in ihrer Ansprache den Verlust von Heimat und die bleibende Bedeutung der Charta der deutschen Heimatvertriebenen vom 5. August 1950 in den Mittelpunkt. „Heimat ist weit mehr als ein Ort auf der Landkarte. Wer seine Heimat verliert, verliert Vertrautes, Zugehörigkeit und oft einen Teil der eigenen Lebensgeschichte. Deshalb müssen wir die Erinnerung an Flucht und Vertreibung bewahren – und zugleich die Botschaft der Versöhnung und des friedlichen Miteinanders weitergeben“, so Beutner. Die Charta, die den Verzicht auf Rache und Vergeltung mit dem Bekenntnis zu einem geeinten Europa verband, sei bis heute ein wichtiger Bezugspunkt für die Arbeit der Vertriebenenverbände.

Die Gedenkfeier stand zugleich im Zeichen des Tags der Heimat, dessen diesjähriges Leitwort „Bekenntnis und Verantwortung: Unser Kulturgut verbindet Europa“ die Brücke in die Gegenwart schlug. Weil die Zahl der Zeitzeugen abnimmt, gewinnt die Weitergabe ihrer Erinnerungen und ihres kulturellen Erbes an Bedeutung. Im Mittelpunkt der Gedenkfeier stand ein Gedanke, den Volkmann in ihrem Grußwort formuliert hatte: Erinnerung soll nicht trennen, sondern verbinden – und aus ihr Verantwortung für Frieden, Freiheit und Versöhnung erwachsen.
Zum Abschluss wurde am Gedenkstein ein Gesteck niedergelegt. In einem Moment der Stille gedachten die Anwesenden der Opfer von Flucht und Vertreibung.

Foto: Tobias Hindemitt/UdVA Kreis Unna